„Kinderwunsch Ü40“, oder „wenn Liebe zu Mathematik wird“

Photo by Corinna Weber

BARRIOS Kinderstube Kapitel 24

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Ich spreche mal wieder aus eigener Erfahrung. Und vielleicht gibt es jetzt da draussen so manche(r), die zustimmend oder wenigstens mitfühlend nicken. Wie viele Frauen, die über 40 sind, wünschen sich wohl noch ein Kind? Oder ÜBERHAUPT ein Kind? Offenbar ist es doch mittlerweile gang und gäbe, dass man zuallererst Karriere machen möchte und sich DANN einem eventuellen Kinderwunsch widmet. Vielleicht war auch der Partner noch nicht bereit dazu, oder es war zunächst der Falsche. Oder es hat einfach vorher noch nicht funktioniert. Irgendwann kommt man als Frau an den Punkt, wo man über ein Kind, oder eben über weitere Kinder, nachdenkt. Und in meinem Fall war es dann ein grausames Schicksal 2019, dass uns nochmal Gedanken über ein Baby machen ließ. Nur dass das in meinem Alter wahrlich keine sprichwörtliche schnelle Nummer mehr ist. Ganz im Gegenteil. Ich bin jetzt aktuell seit knapp fünf Wochen 45 Jahre alt.

Der verstohlene Blick auf den Bauch

Und ab dem Moment, in dem man seiner Umwelt von seinem Kinderwunsch erzählt, wird jedes Mal „durch die Blume“ nach einer möglichen Schwangerschaft gefragt oder verstohlen auf den Bauch gestarrt. Kennt ihr das? Das erste dreiviertel Jahr dachte ich noch: „Ich bin dreimal quasi schon vom genaueren Hingucken schwanger geworden, das geht bestimmt jetzt auch wieder so flott.“ Ich grenzte im Ungefähren ein, wann wir uns öfter im Schlafzimmer aufhalten sollten und machte mir keine allzu großen Gedanken. Als aber nach diesen ersten Monaten noch nicht wirklich was passiert war, und trotz unserer größten Bemühungen alle (zahlreich) durchgeführten Schwangerschaftstest negativ blieben, entschied ich mich zu dem Besuch einer Kinderwunschklinik.

Eiskalte Realität in der Kinderwunschklinik

Und wurde dort mit der eiskalten Realität konfrontiert. „Tut uns leid, aber wir behandeln eigentlich nur bis 45. Die Erfolgsrate sinkt ab dem 41. Lebensjahr rapide.“ Da war ich gerade 44 geworden. Und wie vor den Kopf geschlagen. Meine Hormonwerte und alles drum herum waren noch top. Wir waren finanziell abgesichert, hatten ein schönes Zuhause, ich war daheim, hatte also Zeit und wir waren absolut bereit, für ein weiteres Kind. Gut ein Jahr und einer weiteren Kinderwunschklinik später war ich vollkommen ernüchtert. Ja, wir hätten den Versuch einer künstlichen Befruchtung starten können, gerne auch mehrmals. Natürlich, unserem Alter geschuldet, auf unsere eigenen Kosten.

Künstliche Befruchtung kann auch im Abgang enden

Aber uns wurde klar und deutlich gesagt, dass auch DA der Erfolg bei nur ungefähr 5% läge. Weil man nun mal auch bei einer künstlichen Befruchtung nichts an der Eizellen-Qualität ändern könne. Das befruchtete Ei könne so oder so wieder abgehen. Ich muss an der Stelle erwähnen, dass ich in den letzten Monaten zweimal auf natürlichem Weg schwanger geworden war, und es beide Male zu einem frühen Abgang gekommen war. Und genau das könnte uns also bei einer künstlichen Befruchtung auch passieren. Also warum dann nicht das Geld sparen und frisch-fromm-fröhlich-frei durchs Bett turnen? Guter Ansatz, und wir nahmen uns vor, keinen Monat ungenutzt zu lassen.

Die biologische Uhr tickt ohrenbetäubend laut

Abe r dann muss natürlich jeder Zyklus, der verstreicht, auch ideal genutzt werden. Immerhin tickt ja gerade bei uns „Alten“ die biologische Uhr ohrenbetäubend laut. Man rechnet sich also seine fruchtbaren Tage aus, ermittelt mittels Ovulationstests seinen Eisprung, beobachtet seinen Körper so genau wie James Bond seine Feinde und haut ab einem gewissen (natürlich errechneten) Punkt im Zyklus einen Schwangerschaftstest nach dem anderen raus.

Sex nach Plan, lustvoll ist anders

Die ersten Monate meiner „rechnerischen“ Bemühungen hatten wir eigentlich nur noch Sex nach Plan. Richtig lustig und vor allem lustvoll war da was ganz anderes. Alles nur, um jeden Monat erneut festzustellen, dass es wieder nicht geklappt hat. Vielleicht sollten wir einfach mal den Dingen ihren Lauf lassen. Aber die Zeit rennt, und ich hatte das Gefühl, jeder Monat, der „ungeplant“ verstreicht, wäre verloren. Adoption kommt für uns nicht mehr in Frage, auch dafür sind wir in Deutschland leider viel zu alt. Ich verstehe natürlich jede(n), die Himmel und Hölle in Bewegung setzen, sich zahllosen Hormonbehandlungen unterziehen und wirklich ALLES für eine Schwangerschaft tun würden. Aber zu welchem Preis?

Wir geben die Hoffnung nicht auf

Wir geben die Hoffnung nicht auf. Immerhin wären wir doch nicht die Ersten, die mit Mitte 40 nochmal Eltern werden würden. Und jetzt, nach dieser Erkenntnis, dass wir ja offenbar sowieso nicht MEHR machen können, als wir sowieso schon tun, macht sogar das „Probieren“ wieder viel mehr Spaß. Und vielleicht höre ich sogar mal irgendwann auf, zu rechnen….

Eure Muddi

 

Autorin dieses Beitrags ist Corinna Weber, die Autorin der MUDDIS und Ronjas Welt Bücher.

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Beitragsfoto: Corinna Weber

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